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    "Leute, bin ich froh, dass dieser Vormittag für immer vorbei ist. Ich darf gar nicht darüber nachdenken, wieviel Lebenszeit mir tagtäglich von diesen Langweilern gestohlen wird."
    aus: Ich habe einfach Glück/Alexa Hennig von Lange

    ebenfalls aus "Ich habe einfach Glück" von Alexa Hennig von Lange:
    In der Schule lache ich. Ich mache Witze, die alle witzig finden. Nur mein Kunstlehrer Herr Schröder weiß, dass ich mich einsam fühle.
    Ich glaube, Papa ist kein Arschloch. Auch, wenn Cotsch das immer sagt.
    Ich weißt nicht, was mit Papa ist.
    Ich weiß nicht, warum der immer ins Geschäft fährt.
    Und ich weiß nicht, warum er nicht mir Mama kuscheln will. Ich weiß nicht, warum er Cotschs Brief nicht liest. Und ich weiß nicht, warum es nicht so sein kann wie früher.
    Einmal hat Papa geweint. Und ich war dabei. Mama und Cotsch standen mit gepackten Koffern unten im Windfang. Wir wollten übers Wochenende zu Oma fahren. Ohne Papa. Der lag oben im Schlafzimmer auf dem Bett und wollte nicht runterkommen, um uns zu verabschieden. Mama und Cotsch wollten nicht raufgehen, um ihm "Tschüs" zu sagen. Also bin ich alleine hochgegangen. Ich habe die Tür vorsichtig aufgemacht, und da lag Papa bewegungslos unter der Decke. Ich habe mich zu ihm auf die Bettkante gesetzt und gesagt:
    "Ich wollte nur schnell Tschüs sagen!"
    Da hat sich Papa endlich zu mir umgedreht. Seine Augen waren rot und feucht. Und plötzlich hat es ihn richtig geschüttelt. Ich habe gelächelt und leise gefragt:
    "Was ist denn?Bist du traurig?"
    Da hat es Papa noch mehr geschüttelt. Ich habe wieder leise gefragt:
    "Bist du traurig, Papa?"
    Papa hat genickt und geweint. Ich wusste gar nicht, was ich machen soll. Mama und Cotsch haben von unten gerufen:
    "Lelle, komm endlich! Wir verpassen sonst noch den Zug!"
    Ich habe gesagt:
    "Papa, ich muss los!"
    Da hat Papa wieder genickt und mit ganz komischer Stimmer gesagt: "Ich will mitkommen. Ich will mit euch mitkommen. Ich will nicht alleine hier bleiben!"
    Ich habe ihm über die Schulter gestrichen.
    "Lelle, komm endlich!"
    hat Mama wieder von unten gerufen. Und dann bin ich gegangen. Papa ist liegengeblieben. Da war ich elf Jahre alt.
    Papa wollte damals so gerne bei uns sein, als wir ohne ihn mit dem Zug zu Oma gefahren. Er ist einfach dageblieben. Jetzt fährt er immer weg. Und wir bleiben da.
    Wir sitzen auf der einen Seite. Papa auf der anderen Seite.
    "Kommt, Kinder, wir machen es uns zu dritt gemütlich. Das geht auch ohne Papa!"
    Wir tun so, als ob es gemütlich ist. Und wenn es gemütlich ist, sagt Cotch:
    "Ich hasse Papa!"
    Und manchmal sagt Mama auch:
    "Ich hasse Papa!"
    Und Papa sagt:
    "Ich hasse es, wenn du zu Rita gehst!"
    Und Cotch sagt:
    "Mama und Rita haben was zusammen!"
    Und ich sage nichts. Ich rieche nur den Ringelblumencreme-Gestank in Mamas Nähzimmer, wenn Rita wieder weg ist.

    "Es ist besser, man unterscheidet sich nicht von seinen Mitmenschen. Die Hässlichen und die Dummen haben es am besten auf dieser Welt. Sie können behaglich daistzen und mit offenem Mund das Schauspiel begaffen. Wissen sie auch nicht, wie es ist zu siegen, so bleibt ihnen doch wenigstens die Erfahrung der Niederlage erspart. Sie leben, wie wir all leben sollten, unbehelligt, gleichmütig undf ohne Ängste und Sorgen."
    Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray

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